Entspannung in Prag

Der Tag war erstaunlich entspannend um nicht sogar zu sagen ein toller Abschluss für diese Reise. Nach dem, was mir bisher in diesem Land widerfahren war, wundert mich das durchaus ein wenig. Wie gestern bereits erwähnt, recherchierte ich in unserer digitalisierten Familienbibliothek nach Fällen, in denen ein Nachtwandler das Blut eines Werwolfs getrunken hatte. Und ich wurde tatsächlich auch in unserer Chronik fündig. Es gab einen solchen Fall sogar in unserer Familie.

Ich fand einen Bericht über eine Schlacht in Buda um 1540, bei der die einfallenden Osmanen von Werwölfen unterstützt wurden. Einige Mitglieder meiner Familie waren damals zugegen und der Bericht erwähnte auch, dass Kilian als Einziger von ihnen überlebte, weil er die getöteten Werwölfe austrank und dadurch „krafterfüllt wurde wie seine Gegnerschaft“. Danach verschwand er für fast 100 Jahre, ohne dass unsere Familie wusste, was aus ihm geworden war. Mittlerweile lebt er aber wieder in Berlin. Ich hatte in meinem Leben bereits viel mit ihm zu tun, weil er in der Zeit nach meiner Wiedererweckung mein Mentor für die geschäftlichen Dinge unseres Unternehmens war.

Logischerweise telefonierte ich sofort mit ihm. Er nahm sich ziemlich lange Zeit für meine Fragen. So erfuhr ich von ihm, dass auch er die gleichen Erfahrungen machte wie ich. Mit etwas Übung könnte ich sogar lernen zu kontrollieren, wann meine Klauen sich bilden und wann sie zu meinen normalen Händen werden. Er wies auch darauf hin, dass diese Klauen gegen Werwölfe effektiver sind als silberne Waffen. Das erklärte natürlich, warum ich den beiden an dem Schacht so einfach den Schädel zertrümmern konnte und warum die Wölfin zögerte mich anzugreifen so lange ich sie hatte. Auch die geschärften Sinne sind wohl ein völlig normales Phänomen.

Allerdings soll ich in Zukunft etwas vorsichtiger sein, wenn ich die Kraft meines Blutes einsetze. Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass ich unkontrolliert so viel davon verbrauche, dass ich irgendwann nur noch mit Hilfe eine Transfusion wieder auf die Beine komme. Das ist natürlich nicht so toll, denn ich hatte mich in meinem bisherigen Leben immer sehr bemüht diese sogenannte Blutmagie zu erlernen und meine Fähigkeiten darin zu vervollkommnen. Die Fähigkeiten, die man dadurch erlangt sind ziemlich hilfreich. Sie reichen von einer enorm schnellen Bewegungsfähigkeit und gesteigerten Muskelkraft, was vor allem im Kampf nützlich ist, bis hin zur Levitation.

Insgesamt beruhigte mich das Telefonat mit Kilian aber ziemlich. Um zu testen wie gut ich die Blutmagie noch kontrollieren kann, rief ich meinen Fahrer zu mir und instruierte ihn, dass er mich sofort nach Berlin fahren solle, wenn ich das Bewusstsein verliere. Daraufhin aktivierte ich die Kraft meines Blutes und wechselte einige Male meine Position im Zimmer. Auch die Levitation übte ich ein paar Mal. Von einem Kontrollverlust konnte ich allerdings nichts spüren. Vielleicht zahlt sich meine viele Übung in der Blutmagie nun doch noch aus.

Gegen Mittag machte ich mich auf den Weg zu Ondrej. Diesmal allerdings mit meinem Wagen. Auf dem Weg schaute ich noch in einem Bordell vorbei, wo ich mir einen Imbiss gönnte. In dieser Stadt rechnete ich mittlerweile mit allem und wollte auf etwaige Kämpfe vorbereitet sein. Hungrig in einen Kampf zu gehen ist niemals eine gute Idee.

Ondrej freute sich sehr mich zu sehen. Ich erzählte ihm von meiner Begegnung mit den Wölfen in Hluboka. Als ich ihm von meinen neuen Fähigkeiten berichtete, grinste er und sagte: „Du wirst sehen, dass dir diese Fähigkeiten noch so manches Mal das Leben retten werden.“ Dabei hielt er seine rechte Hand nach oben und formte sie zu einer Klaue. Ich verlieh meiner Verwunderung darüber, dass er diese bei unserem Kampf nicht einsetzte, Ausdruck. Er aber lächelte und meinte nur, dass er nunmal ein Waffennarr sei. Ausserdem hatte er wohl bereits einige Male die Kontrolle über sein Blut verloren und ist nur knapp mit dem Leben davon gekommen. Das leuchtete mir ein.

Natürlich kaufte ich bei ihm auch noch ein. Zu meiner Freude konnte er mir sogar eine neue SFP9 anbieten. Ich konnte sogar zwischen einer TR und einer SF wählen und entschied mich für die letztere. Ich stockte noch meine Munition auf und verabschiedete mich von ihm, nicht ohne ihn zu bitten sich bei mir zu melden, sollte er mal in Berlin sein, und ihm eine Unterkunft bei uns anzubieten.

Am Abend begab ich mich zu Lord Vratislav um mich ordnungsgemäss abzumelden. Er lud mich ein den Abend bei ihm zu verweilen, da er einen Ball geplant hatte. Ich war dafür allerdings nicht passend gekleidet und kehrte daher kurz in mein Hotel zurück um mich umzuziehen. Zu meinem Erstaunen traf ich dort auf Lydia.

Sie ist quasi meine Schwester. Das heisst, sie wurde zur gleichen Zeit wiedererweckt wie ich. Da wir unsere „Lehre“ zusammen absolvierten, hat sich zwischen uns eine sehr enge Beziehung entwickelt. Man kann sich meine Freude also vorstellen. Sie hatte geschäftlich hier in Prag zu tun, wollte aber auch am nächsten Tag wieder nach Berlin zurückkehren. Diesmal würde die Fahrt also nicht so langweilig werden.

Zusammen kehrten wir zu Lord Vratislav zurück. Sein Ball stellte sich dann wirklich als ein großartiges Ereignis heraus. Neben sehr erlesenen Speisen, die das, was ich bisher bei ihm geniessen durfte, noch übertrafen, hatte er auch einiges an frischer Nahrung organisiert. Die auftretenden Tänzerinnen standen uns zur freien Verfügung und bald schon wurde aus dem höfischen Ball eine Blutorgie, die alle Sinne ansprach. Die Nacht war bis in’s Detail perfekt. Ich erwischte mich allerdings dabei, dass ich Nadine vermisste. Ihre köstliche Essenz in dieser Umgebung zu trinken wäre noch das Tüpfelchen auf dem ‚i‘ gewesen.

Jedoch stellte sich Lydia mir zur Verfügung und so kam ich nach Jahren mal wieder in den Genuss die Essenz einer Nachtwandlerin zu trinken. Wir hatten nach unserer Wiedererweckung häufiger voneinander getrunken, während wir körperliche Freuden austauschten. Doch in den letzten 12 Jahren bot sich leider keine Gelegenheit mehr dazu. Ich war zu sehr mit meiner Arbeit als Blutsucher für unseren Lord beschäftigt und sie hatte viel mit den Geschäften unserer Familie zu tun. Auf diese Weise bekam dieser Abend einen Höhepunkt, den ich nicht in Worte kleiden kann.

Nun bin ich wieder zurück im Hotel und noch immer etwas berauscht von den Sinneseindrücken der letzten Stunden. Ich habe das Gefühl als könnte ich noch immer ihren nackten Körper an mir spüren und den lustvollen Schmerz, wenn ihre Hauer in mein Fleisch drangen. Gleich werde ich noch meine Sachen packen und im Laufe des Vormittags geht es dann zurück gen Heimat. Ich freue mich darauf dieses Wolfsnest endlich wieder verlassen zu können.

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